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Show `n shine

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Lassen wir mal für einen ganz kurzen Augenblick den Schimmel, den Diesel, den Kabelsalat, das Wasser im Schiff und den Gestank auf dem Segelboot Pernod beiseite und besinnen uns auf das, was wir ursprünglich planten: wir renovieren das Schiff so, dass es mit gutem Gewissen an fremde Segler verchartert werden könnte. Wohlgemerkt könnte. Das beinhaltet weitestgehend selbsterklärende Handhabung, funktionierende Technik, State of the Art-Sicherheit, einen gewissen Komfort und penible Sauberkeit. Mit dieser ich-mach-das-nicht-für-mich-sondern-für-jemand-anderen-Sichtweise verändert man die Perspektive zum Boot und gewinnt Abstand; es ist nicht mehr mein Schiff, an dem ich herumschraube, sondern es ist ein Schiff, das ich zum Laufen bringen muss. Es ist nur ein Job.

Aufgeben ist also scheinbar keine Option. Mit Atemschutzmasken, Brechstange, Vorschlaghammer und den auf linksdrehend eingestellten Akkuschrauber machten wir uns auf den Weg zum Boot. Nach ein paar Stunden Arbeit war Maria und m…

Schimmel

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Vor ein paar Tagen sind Maria und ich nach Hooksiel gefahren um das Schiff abzuplanen. Es ist schon fast vier Monate her, seit wir das letzte Mal am Schiffchen waren und ich befürchtete, dass es in der Zwischenzeit reingeregnet hat. Nach dem Öffnen des Schiebeluks erst einmal wieder Atemnot; der Gestank in Marias Pernod nimmt einfach nicht ab. Der Dieselgeruch wird zwar scheinbar schwächer (oder man hat sich inzwischen desensibilisiert), dafür hat sich etwas anderes mit untergemischt und reizt das olfaktorische System... dagegen ist großer nasser Hund Rosenwasser für die Nase.
Jetzt nur keine schlechte Laune bekommen, das bekommen wir schon hin. Früher oder später werden wir herausbekommen, woher der Gestank in diesem Schiff kommt. Just in dem Augenblick als es begann in meinem Gesicht und an den Armen zu jucken, fiel mir ein, dass ich noch einen Modellflieger und einen Akku im Auto hatte, so ein Zufall, nichts wie raus und an die frische Luft.
Als ich zum Boot zurückkehrte, saß Mari…

Einspruch!

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Jeder hat so seine Macken, der eine mehr, der andere weniger. Mich zum Beispiel interessiert morgens das Wetter draußen - wie ziehen wir die Kinderchen an, was erwartet mich auf dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit, wo gibt es Sturm? Auf meinem Handy ist eine App, auf der ich die Wetterdaten von Orten aufrufen kann, die aus irgendwelchen Gründen für mich POI`s sind; Point of Interest. Sei es, weil ich schon einmal dort war, oder weil ich dorthin vielleicht noch reisen möchte - oder beides. Neben anderen finden sich in den Daten der App zunächst Angaben zu folgenden Orten: Oldenburg, Deutschland: 0,2 Grad Celsius, Split, Kroatien: 18 Grad Celsius, Leros, Griechenland: 16 Grad, Sliema, Malta: 17 Grad, Pjöngjang, Nordkorea: minus 14 Grad (wer hätte das gedacht!), Nuuk, Grönland: plus 5 Grad Celsius.


  "Schatz, haben wir denn mittlerweile überhaupt schon irgend einen Plan, wo wir hinfahren werden?"
  "Ehrlich, ich habe nicht den blassesten Schimmer. Vielleicht dorthin, wo es …

Ruhe im Karton

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Auch wenn die in einem Flugzeug dargebotene Kost sich - zumindest optisch -  nur marginal von der in einem Krankenhaus unterscheidet, werde ich tunlichst darauf bedacht sein, dass ich mein Essen, wenn es sich denn schon nicht anders einrichten lässt, innerhalb meiner Lebensbilanz zahlenmäßig öfter in 30.000 Fuß Höhe, als in der vermeintlich sterilen Umgebung eines Hospitals zu mir nehme.

Da gibt es den grünen und den grauen Star. Und es gibt den großflächigen, hufeisenförmigen Abriss mit Aderhautblutungen. Es gibt Lichtblitze, Rußregen, Gesichtsfeldeinengungen und Schatten im peripheren Blickfeld, die wie Insekten erscheinen. Manchmal wurde das Auge nach einer Netzhautoperation mit Gas, manchmal mit Silikonöl gefüllt. Manchmal wurde gespült, manchmal erfolgte nur ein Ölwechsel. Ich erlebte erblassende Augenärzte beim Anblick der Messergebnisse des Augeninnendruckes. Bei Bedarf wurden Kunststofflinsen eingesetzt und wieder entfernt. Es wurde geschnitten, genäht, geblendet, gelasert, g…

"Ich bring Dich um!"

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"Hallo!?"
  "Ja, hallo, also so geht das nicht. Du hast mich betrogen. Das Schiff ist auf ein Riff gelaufen und hat einen Riss im Rumpf"
  "Wie bitte? Wer spricht denn da?"
  "Ich bin der Bruder vom Käufer des Schiffes. Wir haben uns das Schiff nochmal genau angesehen. Das Unterwasserschiff ist stark beschädigt. Der Rumpf ist kaputt. Wir müssen den Kauf rückgängig machen."
  "Das Schiff ist beschädigt? Aber das kann nicht sein, ich habe es doch noch vor der Übergabe abgetaucht. Es ist nicht auf ein Riff gelaufen. Aber wieso ruft Bernd mich nicht selber an?"
  "Das Schiff ist kaputt und du nimmst es zurück, sonst komme ich her und dann bring ich dich um."

So in etwa verlief vorgestern das Telefongespräch zwischen dem Verkäufer unseres neuen Schiffes und einem unbekannten Anrufer, der sich als mein Bruder ausgegeben hat. Gefordert wurde die Rückgabe des Schiffes unter Hinweis auf grobe Mängel. Der Sprecher: männlich, akzentfr…