Läuft bei dir

Der Anspruch, den ich an meine Arbeit als Goldschmied habe, kann ich kurz und knackig auf folgende Aussage herunterbrechen: Ich möchte mit meiner Arbeit dazu beitragen, diesen Planeten schöner zu machen. Oder, anders ausgedrückt: wenn ich morgens mit der Arbeit beginne, habe ich die nicht ganz unberechtigte Hoffnung, dass am Abend desselben Tages nicht wesentlich mehr verschandelt ist, als zu der Zeit, in der ich den Hammer in die Hand nahm. Allein (aber nicht nur) durch diese Argumentation kann ich den Beruf Goldschmied uneingeschränkt meinen Kindern empfehlen (ich habe noch nie darüber nachgedacht, wie meine Empfehlungen lauten würden, wenn ich z.B. Berufssoldat oder leitender Ingenieur in einem Atomkraftwerk wäre. Aber jetzt, wo ich darüber nachdenke: ich glaube, meine Empfehlungen wären genau so: werde besser Goldschmied, mein Kind!).

Wickelring aus recyceltem Gold mit konfliktfreien Brillanten

Ganz anders mein Verhalten als segelnder Hedonist: wir sind ja eigentlich reine Segler, eher so die sportlichen Typen, die Motorbootfahrer mögen wir gar nicht, diese Grobiane nehmen ja so gar keine Rücksicht auf uns. Wie bitte, welcher Dieselmotor? Ach der, der im Heck; ja, der dient quasi nur als Flautenschieber wenn der Wind mal von oben kommt, der ist praktisch nie an, nee. Vielleicht mal zum Batterienaufladen wenn wir vor Anker sind und der Kühlschrank läuft, aber sonst...ne. Der verbraucht ja auch fast nix, und zum Ende der Saison muss ich eh meistens noch abtanken, weil der Dieseltank sonst total überläuft, hahaha. Aber ich hab` jetzt leider keine Zeit mehr, weil das Schiff muss jetzt aus dem Wasser, damit ich noch eine Lage Antifouling aufs Unterwasserschiff kleistern kann. Und neeein, das ist nicht giftig, das ist nur wirksam.
Hier lässt sich mein "kurz und knackig" von oben auf folgende Aussage zusammenfassen: es ist mir als Wassersportler doch völlig schnuppe, was durch mein Verhalten mit dem Planeten Erde passiert: Hauptsache, ich habe Spaß, kann möglichst viel in möglichst kurzer Zeit erleben (damit ich möglichst schnell in meinen Job zurückkehren kann) und muss dabei ganz wenig bezahlen, am besten gar nichts.

Maria und ich haben uns heute drei Stunden abgeknapst und sind zum Schiff nach Hooksiel gefahren. Mit im Auto waren zwei Schiffsbatterien. Diese fummelten wir irgendwie an die Kabellage, drehten den ein oder anderen Schalter und probierten den ein oder anderen Schlüssel. Bis es endlich Klick machte, ein Piepston ertönte und sich schließlich der Anlasser drehte. Nach drei, vier Umdrehungen gab es endlich Zündung und der Motor sprang an.


Wir freuten uns sehr "Läuft, das Ding". Seit mindestens einem Jahr stand es rum und jetzt spang es sofort an, wie toll.