Mit Segeln Geld verdienen Teil I

Ein paar Bretter haben wir ja noch zu bohren. Ich denke da an die Schulpflicht unserer kleinen Mädchen, Einwohnermeldeamt ("Sie dürfen sich aber nicht auf einem Schiff anmelden. An einem Briefkasten übrigens auch nicht!"), das liebe Geld und natürlich das Finanzamt. Mit den beiden letzten fangen wir heute mal an und weil es dann doch etwas mehr wurde, habe ich es aufgeteilt.

Segeln und das Thema Geld gehörten schon immer zusammen

Mit Segeln Geld verdienen Teil I

Was immer dich treibt, was immer deine Droge sein mag: Kindheitsträume erfüllen, dein Glück in der Ferne suchen, purer Übermut und überbordende Lebensfreude, eins sein mit dir, dem Universum und der Natur, auf dem Rücken der Meere dahingleiten und sehen, wohin der Wind dich treibt, über den Weg der sieben Chakren neue Ufer entdecken oder der sich im zweiten Frühling bahnbrechende Wahnsinn, usw. usf.
Ehrlich, von einigen dieser romantisch-spirituellen Selbsterfahrungsformulierungen bin auch ich ein großer Fan, wer ist das nicht? Aber hier geht`s heute ausschließlich um das Geschäft und wie man mit dem Segeln Geld verdienen kann. Wer hier heute etwas anderes sucht, bitte weiterblättern.

Die Möglichkeiten, mit dem was man tut, Geld zu verdienen, sind vielfältig. Beim Segelsport unterscheide ich zunächst einmal ganz grob zwischen der Absicht Geld zu verdienen vor und nach der Reise.

Ich beginne mit einer leichten Übung: Ich entscheide mich, nach der Reise Geld zu verdienen. Also im Anschluss, wenn ich im Spätherbst schon wieder vor dem heimeligen Kaminofen hocke. Vielleicht habe ich mich gar nicht so entschieden, sondern es hat sich so ergeben, weil ich im Vorfeld noch gar nicht daran dachte, meine Reise zu monetarisieren.

Folgendes Szenario: Du irrlichterst mit deiner Familie in den Sommerferien durch die dänische Südsee. Alles ist so, wie es sein sollte. Du stellst regelmäßig Fotos und Kommentare online und freust dich des Lebens. Zuhause angekommen, merkst du, dass jede Menge super Fotos und Videoschnipsel entstanden sind. Und weil du Tagebuch führtest, kann du auch mit allerhand Geschichten aufwarten.
In dir keimt die Idee auf, selbst ein Buch zu schreiben. Du suchst dir also einen Verlag, der druckt deinen Quark und verkauft ihn. Die Leser sind entzückt, das Buch verkauft sich gut, du bekommst Geld. Das ist doch spitze, oder?
Da man zu Recht davon ausgehen kann, dass dieses Buch mit der Absicht geschrieben wurde, Geld damit zu verdienen, müssen die Einnahmen versteuert werden und die Mehrwertsteuer der Tantiemen abgeführt werden. Aber früher oder später kommst du an einen Punkt, an dem du dich etwas verdattert fragst, was denn eigentlich mit den Aufwendungen ist, die du hattest: Kosten für die Kamera? Für die Anreise? Für die Liegekosten? Reparaturen und Ersatzteile? Diesel? Computer um den Quatsch online zu stellen? Und nicht zuletzt die Abschreibungen für das Schiff, bitteschön. Denn ohne all das hätte es auch keine Einnahmen, keine Gewinne, keine Steuern gegeben.
In diesen Fall ist sich der Gesetzgeber einig: Du bekommst keine deiner Kosten angerechnet, musst dir aber auf der anderen Seite jeden Euro, den du einnimmst, auf dein Einkommen anrechnen lassen.
Natürlich kannst du noch Vorträge dranhängen, einige Interviews, für die du mit etwas Glück Geld bekommst, aber seien wir doch mal ehrlich: Geld verdienen geht anders.

Dieser eben beschriebene Teil macht Spaß, keine Frage. Man hat während des Urlaubes keinen Erfolgs- oder Lieferdruck und kann den vergangenen Törn Revue passieren lassen, man kontaktet eventuell Weggefährten und erlebt so das schöne Abenteuer noch einmal. Außerdem ist es schon etwas Besonderes, ein Buch geschrieben zu haben, über das andere Menschen sich erfreuen.

Für alle, die mit dem oben beschrieben Vorgehen zufrieden sind, können die Lektüre hier beenden. Es ist eine gute und sichere Sache. Man hat keinen Stress und lässt sich alle Optionen offen. Die Ideen zum Buch und die DVD "Wir hauen ab! - eine Familie unter Segeln" sind nach der Weltumsegelung entstanden. Ich hätte während der Vorbereitungen in den Jahren von 2002 bis 2004 nicht im Traum daran gedacht, welch eine Aufmerksamkeit dieses Unternehmen auf sich ziehen würde. Aber tatsächlich ist es so, dass wir bis zum heutigen Tage die Einnahmen dieser Unternehmung versteuern müssen ohne die Kosten von damals gelten machen zu können.

Damit ist für das Kapitel "Absicht Geld zu verdienen nach der Reise" schon alles Wichtige erwähnt.

Jetzt kommt die andere Geschichte, jetzt kommt der Teil, bei dem wir von Anfang an unternehmerisch denken müssen. Jetzt kommt:

Die Absicht Geld zu verdienen vor der Reise

Ein Fall aus dem Alltag: er Lehrer, sie Tochter.
  "Ich will ein Pferd"
  "Guten Morgen, mein Schatz. Ist es nicht ein wunderbar sonniger Tag heute?"
  "Sag mal, hörst du mir überhaupt mal zu? Ich will ein Pferd."

Einige Monate später - es hat sich bereits merklich abgekühlt - steht der Zossen mies gelaunt und einsam auf der Scholle und kostet Unterhalt: Futter, Pacht für den Acker, Versicherung, Zuckerwürfel, Tierarzt, Ausrüstung, Hufschmied und jemand, der das arme Vieh hin und wieder mal bürstet und mit ihm spricht. Das kostet.
Der Lehrer fragt seinen Steuerberater, ob man da nicht was machen könne.
  "Kauf dir noch`n Gaul. Sowas nennt man Pferdezucht und rechnet sich auf jeden Fall. Für dich. Das geht dann als Gewerbe durch und du kannst deine Kosten steuerlich geltend machen. Außerdem bist du dann vorsteuerabzugsberechtigt", schlägt dieser Fuchs vor. "Entweder das oder der Pferdemetzger. Der holt mittwochs selbst ab", schiebt er nach.

Sensationell, nicht wahr? Ein Gewerbeschein kostet nur ein paar Euro und einhergehend mit dem Prestigegewinn als Pferdezüchter innerhalb der gemeinen Bevölkerung wird das Lehrergehalt durch den zu erwartenden Verlust in der "Unternehmung Pferdezucht" auch noch steigen (bzw. die Steuerlast wird geringer - das Ergebnis bleibt gleich).

Nun ist es nicht so, als ob die Finanzbeamten auf dem Baum schlafen würden. Die machen das ja nun auch schon seit ein paar Jährchen und hatten genügend Zeit um Erfahrung zu schürfen. In unserem Beispiel würde das Finanzamt die Einkommensteuerbescheide der nächsten Jahre höchstwahrscheinlich unter Vorbehalt stellen. Das bedeutet, dass erst einmal davon ausgegangen wird, dass eine ernste Absicht hinter der Unternehmung steckt. Namentlich eine Gewinnerzielungsabsicht. Sie ist es, um die sich alles Weitere dreht, wenn es um die steuerliche Anerkennung geht.
Stellt das Fi-Amt nach einigen Jahren jedoch fest, dass nicht davon ausgegangen werden kann, dass bei dem Lehrer mit dem Unternehmen Pferdezucht in absehbarer Zeit Gewinne erzielt werden, das "Unternehmen" jedoch munter und unverändert weiter wie gehabt betrieben wird, dann sieht das Amt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit den Tatbestand der Liebhaberei für erfüllt und korrigiert die Steuerbescheide entsprechend.
Und das kann so richtig deftig werden: Nicht nur alle erhaltenen steuerlichen Vergünstigungen müssen erstattet werden, es wird auch die zuvor geltend gemachte Mehrwertsteuer zurückgefordert. Obendrauf werden die Steuerbescheide des Brotjobs angepasst. Und weil das noch nicht reicht,  kommen Nachzahlungszinsen in Höhe von sechs Prozent (0,5% im Monat) als Sahnekirsche obendrauf.

Betreibt der Unternehmer seinen Betrieb jedoch ernsthaft und kann vielleicht sogar innerhalb der ersten Jahre Gewinne vorweisen, werden die Bescheide endgültig und alles ist gut (Zwar auch in diesem Fall unter dem Vorbehalt der Prüfung, aber wir wollen mal davon ausgehen, dass unser Lehrer keine betrügerischen Absichten hegt). Und weil es so wichtig ist, wiederhole ich an dieser Stelle noch einmal: bei der steuerlichen Anerkennung des Unternehmens geht nicht darum, ob Gewinne wirklich erzielt werden, sondern nur darum, ob eine Gewinnerzielungsabsicht von Anfang an bestand. Und diese sollte belegbar sein.

Der Oberstudienrat, der einen Modellbahnhandel betreibt, aber seit sechs Jahren nur Loks und Zubehör einkauft, aber keine Einnahmen hat, weil er nichts verkauft. Die Zahnärztin, die den Namen des Sportvereins ihres Sohnes auf ihren Heißluftballon flockt und ihren Traum vom Fliegen als Werbeunternehmen tarnt. In diesen Beispielen fehlt das Entscheidende: richtig, die Gewinnerzielungsabsicht, ergo Liebhaberei.
Das bedeutet aber nicht, dass man nicht auch als Zahnarzt ernsthafte Vorstellungen zum Betrieb einer werbetragenden Heißluftballon-Flotte haben kann. Es wird nur dann zum Problem, wenn man auch nach einigen Jahren keine Gewinne macht und nicht erklären kann, dass man das Geldverdienen aber wirklich, ehrlich, ich schwöre, kannst die anderen fragen, vorhatte.

Und genau hier können wir beim Thema "Mit Segeln Geld verdienen" ansetzen:

Wir müssen es ernsthaft und mit der Absicht, Gewinne zu erzielen, betreiben. Und zwar nicht erst hinterher, wenn der Kahn schon wieder am Dalben hängt, sondern von Anfang an.

Wenn man nämlich dem Finanzamt nach fünf Jahren Dürre erklären möchte, warum man mit seinem kläglichen Bauchladen auf der Fresse landete und einfach nicht nach oben kommt, dann sollte man Antworten und Erklärungen haben. Und diese Antworten gibt man sich am besten gleich am Anfang selbst und auf seine eigenen Fragen.


Schritt 1: Erstelle ein Konzept und gieße es in Worte

Konzept erstellen...hmm -  vielleicht denkst du jetzt, ich will doch keine Firma gründen oder muss bei einer Bank Klinken putzen. Doch, genau das tust du hier. Nur, dass die Bank in diesem Fall mit dem Wort Vertrauen gleich zu setzen ist. Denn genau darum geht es, um Vertrauen. Wir müssen auf unserem Konto bei der Vertrauensbank im Haben sein. Man muss dir deinen Plan abkaufen, man muss an das glauben, was du vorhast. Man muss glauben, dass du es ernst meinst. Aber wichtiger als das ist es jedoch, dass du dir zunächst einmal selbst diese Geschichte, diesen Plan, dieses Hirngespinst, diesen Wahnsinn, diesen Jugendtraum, dieses, wofür auch immer du bereit bist so vieles zu opfern und aufs Spiel zu setzen - das Wichtigste ist, dass du dir deine Idee zunächst einmal selbst abkaufst.

Okay, das war jetzt ein Start mit dem die oben mehr oder weniger subtil herauskomplimentierten Esoteriker auch noch auf ihre Kosten gekommen sein sollten.

Ich fange noch einmal beim Konzept an und was sich so sehr nach BWL anhört und als ob man bereits an diesem frühen Stadium Fehler machen könnte, meint im Grunde nichts anderes, als die Zusammenfassung des Gespräches, das du heute Abend mit einem Freund bei einem Bier in eurer Stammkneipe über deine oder eure Unternehmung haben würdet. Nicht mehr und nicht weniger.

Schreib auf, was du als erstes machen möchtest, wann du welche Vorbereitungen treffen wirst und wann du die Abfahrt mit welchem Ziel planst. Denk dir eine Überschrift aus, einen opener. Beschreibe die Rahmenbedingungen wie Zeitabläufe und Regionen, in denen ihr unterwegs sein werdet. Es geht aber noch weiter, denn es geht ja nicht um das Segeln, sondern um das Geldverdienen mit einer Unternehmung. Und ob es sich bei deiner Idee um das Segeln oder um Unterricht im traditionellen Taekwondo handelt, spielt überhaupt keine Rolle. Trenne dich für einen Augenblick von deiner Leidenschaft und berichte nüchtern und am besten chronologisch von deinem Plan. Dann gern zwei bis drei DIN-A-4-Blätter füllen.
Im zweiten Schritt wird eingedampft. Breche das Unternehmen auf drei bis vier Sätze runter. Stelle dir einen Klappentext eines Buches vor, dessen Titel oder der Name des Autors dich schon mal dazu gebracht haben, das Werk in die Hand zu nehmen. Jetzt sollst du einen Klappentext für dein Unternehmen schreiben und der soll neugierig machen.
Im dritten Schritt wird noch weiter eingedampft. Deine Geschichte in maximal zwei Sätzen. Bandwurmsätze sind verboten. Ich weiß, ich weiß, das ist alles so qualvoll, du hast ja sooo viel zu erzählen und nur sooo wenig Platz. Mach es einfach.
Es folgt der vierte Schritt der Konzepterstellung: Beschreibe das, was du vorhast mit einem einzigen Satz.

Schritt 2: Erkläre, wie du Geld verdienen willst

Schreibe im zweiten Schritt auf, wie du dir vorstellst, mit deiner Unternehmung einen Gewinn zu erzielen. Und zwar so detailliert, wie nur möglich. Stell dir vor, dein Freund hat während eures Gesprächs Feuer gefangen und will jetzt alles ganz genau wissen. Antworte ihm! Lass dir ruhig Zeit, aber antworte. Überlege dir, was umgekehrt du ihn fragen würdest und schreibe diese Fragen auf - und antworte. Wenn du keine Antworten hast, dann suche welche, erkundige dich, informiere dich, denk dir selbst was aus, sei kreativ - aber antworte. Wenn du deinem Freund (wollen wir ihn jetzt wirklich Harvey nennen?), mehr als ein, zwei Mal mit "weiß ich auch noch nicht so genau", und "das ergibt sich schon unterwegs von allein irgendwie" antwortest, knallt sein Kopf spätestens jetzt in die Bierpfütze auf den Tisch oder ihr seid wieder bei den Gesprächsthemen, über die ihr auch sonst immer langweilt. Das willst du nicht!
Dieses (von mir aus imaginäre) Gespräch schreibst du auf, speicherst es ab und versendest es als E-Mail an dich selbst.

Fortsetzung folgt im Teil II

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